Projekt Wiesenberg
Wittislingen mit reicher Geschichte
Wer heute die Karte der Bodenfundstellen des Landkreises Dillingen betrachtet, dem fällt Wittislingen durch eine ungewöhnlich starke Häufung von Fundstellen auf.
Durch Bodenfunde beginnt in Wittislingen die nachweisbare Anwesenheit des Menschen bereits in der mittleren Altsteinzeit (Würmeiszeit, rund 100.000 v, Chr.). Die Funde in unserem Ort zeugen über alle wichtigen ur- und frühgeschichtlichen Kulturen, über das Mittelalter bis in die Neuzeit.
Die Gründe dieses Fundreichtums sind zweifach. Einmal liegt unser Gebiet im Zug des Donautales, der europäischen West-Ost-Achse, die von je als Völkerstraße diente, zum anderen sind die landwirtschaftlichen Gegebenheiten außerordentlich siedlungsgünstig. Das breite, zwischen waldreichen Höhen geschützt gelegene, am Ausgang aus dem Jura sich verengende Egautal mit seiner flachen Terrasse über dem fischreichen Fluss, die nach Süden offene Bucht gegen das weite Donautal und die Nähe zweier Moore sind Faktoren, die auch auf Wildreichtum schließen lassen, der bereits die Mammutjäger der Eiszeit angelockt hat.
Nach zwei Kälterückschlägen endete gegen 8 000 v. Chr. die Eiszeit und die Warmzeit begann. Ab dieser Zeit war der Berg wieder kräftig besiedelt. Die Menschen lebten zunächst noch in der altsteinzeitlichen Tradition der Jäger und Sammler, dann wurden sie zu Jägern und Fischern. Die Mittelsteinzeit begann, die bis gegen 4 000 v. Chr. dauerte. Die Kultur ist gekennzeichnet durch kleine und feine Geräte. Neben diesen „Feingerätlern“, den mehr oder weniger nomadisierenden Leuten des sogenannten Tardenoisiens (archäologische Kultur in Europa von 6 000 – 5 000 v. Chr.), erwuchs ein anderes Volk, das sehr grobe Steingeräte schuf, nämlich Beile, Pickel und Hacken. Wir dürfen in ihm die ältesten Bauern sehen, die den Boden im Hackbau bearbeiteten. Während die Feingerätler auf dem Berg geringe Spuren hinterließen, haben dort die Hackbauern, die Leute des Campigniens, scheinbar länger gesiedelt.
Gegen 4 000 vor Chr. vollzieht sich eine Wende. Es beginnt die Jungsteinzeit, die Zeit des Vollbauerntums. Zum geschlagenen Hornstein kommt das geschliffene und durchbohrte zähe Felsengestein, aus dem funktionstüchtige Geräte, wie etwa der Sohlenpflug (wird vom Mensch gezogen oder geschoben und dient zum Ziehen von flachen Saatrillen), hergestellt werden. An Stelle der Hütte tritt das geräumige rechteckige Ständerhaus. Die Töpferei kommt auf und nach der Art der Gefäßverzierung werden die Träger dieser ältesten Vollbauernkultur als Bandkeramiker bezeichnet.
Gegen 2 000 v. Chr. bahnte sich ein grundlegender Wandel in der Technik an. Der Mensch lernte die Metalle kennen und verarbeiten, zuerst das in der Natur mitunter gediegen vorkommende Kupfer, dem bald die Legierung mit Zinn zur harten, glänzenden Bronze folgte.
Erst für die Zeit um 1 200 v. Chr. kennen wir Grabfunde, die zugleich einen tiefgreifenden religiösen Wandel dokumentieren. Bis zu dieser Zeit ist die Körperbestattung das Übliche, doch nun kommt die Leichenverbrennung auf. Damit sind eine andere Jenseitsvorstellung und vor allem ein anderer Glaube an den Übergang dorthin greifbar.
Um 800 v. Chr. kam ein illyrisches Volk vom Balkan her, das bereits das Eisen verarbeitete. In dieser Zeit besitzt Wittislingen Lagerstätten des wichtigsten Rohstoffes: das Raseneisenerz, auch Bonerz genannt. Diese Eisenausfällungen entstehen dadurch, dass Regenwasser Eisenoxid aus dem Lehm auswäscht und dann etwas tiefer in kiesigen Bändern an Trennschichten wieder abgibt. Diesen Eisenkies konnte man in geringer Tiefe (max. 2 m) abgraben, um ihn dann anschließend auszuglühen. Erst nach Absondern der Schlacke war das Roheisen zur Weiterverarbeitung, dem Ausschmieden, geeignet. Erstmals konnte man nun am Wiesenberg dieses Verfahren genau nachvollziehen, da dort eine Schürfgrube mit noch weitgehend intaktem Rennofen zur Schlackenabsonderung entdeckt wurde. Das Vorhandensein von Rohstoffen hat natürlich gravierende Auswirkungen auf die Gesellschaft: Es gibt noch deutliche Unterschiede zwischen den Bevölkerungsschichten, die sich wiederum in Herrenhöfen und allgemeinen Siedlungen widerspiegeln, aber auch in Grablegen dokumentiert werden. In solchen Grablegen kann man auch Beweise für den Fernhandel finden: In unmittelbarer Nähe zur eben angesprochenen Erzabbaugrube fand man ein Grab, weit gehend beraubt, aber mit immer noch aussagefähigem Material. Die Keramik zeigt die Gleichzeitigkeit mit dem Erzabbau.
Die gegen 500 v. Chr. aus Gallien gekommenen Kelten der 2. Eisenzeit oder Laténezeit waren Meister in der Eisenverarbeitung.
Wittislingen ist auch heute noch ein beliebtes Siedlungsgebiet. Ab den 1950er Jahren wurden verschiedene Baugebiete ausgewiesen. Im Laufe der Zeit wurde dies immer schwieriger, weil verschiedene Vorgaben im Flächennutzungsplan beachtet werden mussten (Naturschutz, Wasserschutzgebiet, geplante Straßenführungen).
So hat im Jahre 1992 der Gemeinderat Wittislingen beschlossen, ein neues Wohngebiet am „Wiesenberg“ auszuweisen. Die Grundstückskäufe wurden vorgenommen und die Planungen verliefen zeitgerecht. Niemand hat damit gerechnet, dass es sich um ein mit Bodendenkmälern reich ausgestattetes Gebiet handelte. So mussten erst einmal die archäologischen Grabungen erfolgen. Sie wurden auf Kosten der Gemeinde Wittislingen durchgeführt. Wegen der damaligen Grundstückspreise für Bauplätze, die Gemeinde stand in Konkurrenz mit anderen Kommunen, konnten diese Grabungskosten nicht auf die Bauplatzwerber umgelegt werden. Bis zum Jahre 2002 hatte die Gemeinde den Betrag von mehr als DM 200.000 für die Erforschung der Bodendenkmäler am Wiesenberg ausgegeben. Im ersten Schritt wurden auf dem leicht nach Südosten abfallenden Gelände mehr als 9.000 qm mit 889 Befunden untersucht.
Das Baugebiet wurde erweitert, so dass noch weitere Grabungskosten dazu gekommen sind. Die Grabungen in diesem Baugebiet erstreckten sich auf insgesamt 20 Jahre.
Bei Durchsicht der Fundzettel, die die Grabungsforscher massenhaft geschrieben haben, fallen hautsächlich folgende Funde auf: Gefäßkeramik, Hallstattzeit, silikatische Materialien, Knochen, Rotlehm, Tierknochen, Silex, Schädel, Kieferfragmente mit Zähnen, Holzkohle.
Anmerkung: „Rotlehm“ wird auch als Hüttenlehm oder Brandlehm bezeichnet. Er besteht aus Lehm, der durch ein Brandereignis gehärtet ist und meist eine rötliche Farbe aufweist. Hüttenlehm ist eine häufige archäologische Fundgattung und für die Siedlungsarchäologie von Bedeutung. Vielfach stammt der gefundene Hüttenlehm von prähistorischen Pfostenhäusern, da sie häufig abbrannten.
Rot- beziehungsweise Hüttenlehm
Alle Funde wurden freigeputzt, mit Dia- und Digitalkameras fotografiert, gemessen und beschrieben.
Bemerkenswert ist die trotz der mitunter sehr geringen Humusüberdeckung gute Erhaltung der Befunde, zum Teil reichten die Pfosten noch bis zu 40 cm unter das Planum. Als besonders günstig für eine spätere Auswertung wird sich erweisen, dass bislang kaum Überschneidungen von Häusern oder Gruben festzustellen waren, was auf eine einphasige oder sich zumindest kontinuierlich ausgedehnte Siedlung hindeutet.
Auffällig ist auch, dass nur sehr wenig lithisches (Wortbildungselement mit der Bedeutung
Steinzeit = Eolithikum, Neolithikum, Paläolithikum) Material gefunden wurde. Geräte aus geschliffenem Stein fehlen noch völlig. Das Fundmaterial, das bisher nur auf der Grabung kurz durchgesehen werden konnte, gehört in die zweite Stufe der Linearbandkeramik, die im letzten Drittel des 6. Jahrhunderts v. Chr. beginnt. Für diese Datierung spricht die durch Einstiche aufgelockerte Bandornamentik der Feinkeramik. Die Gefäßtypen entsprechen dem üblichen Spektrum: Kümpfe, Schalen, Butten und weitere Grobkeramik mit Henkeln und Knubben als Handhaben. Besonders zu erwähnen ist ein Kumpf, der fast unversehrt in die Abfallgrube gelangte. Seine Verzierung kann als typisch für die Wittislinger Keramik gelten. Einfach gehaltene Bänder werden durch wenige Einstiche ergänzt. Auffällig ist die Kreuzornamentik, die auch auf dem Gefäßboden angebracht ist. Was hinter der Deponierung des vollständigen Gefäßes steht, bleibt vorerst im Dunkeln. Bei den übrigen Funden aus der Grube – Bruchstücke von Gefäßen – handelt es sich wohl um den normalen Siedlungsabfall, wie er auch in den anderen Gruben enthalten war.
Auswahl von Funden der Linearbandkeramik (5500 – 4700 v. Chr.)
a) Kumpf mit namensgebender Linearbandornamentik
b) Einsatzbeile
c) Löffel aus Ton
d) Fragment Mahlstein
Die Anlage der Siedlung entspricht dem aus der Linearbandkeramik gewohnten Bild. Mit geringen Abweichungen sind alle Häuser nord-west-südost-orientiert. An den Längsseiten befinden sich Materialgruben, die Siedlungsabfall enthielten, dazwischen liegen einzelne Gruben, Pfostenlöcher und Gräbchen.
Die Häuser selbst sind mit bis zu 17 m Länge für bandkeramische Verhältnisse eher klein. Einige Gebäude haben sogar nur eine Länge von bis zu 8 m. Nach Lage der benachbarten Befunde wäre mitunter durchaus Platz für längere Bauten vorhanden gewesen, doch wurden in diesen Bereichen keinerlei Spuren beobachtet, die zu den Gebäuden gehören könnten. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass weniger tief gegründete Pfosten der Erosion zum Opfer gefallen sind. Die vierschiffigen Häuser entsprechen der aus der Bandkeramik bekannten Bauweise.
Plan des Linearbandkeramikerhauses
Rekonstruktion eines linearbandkeramischen Gebäudes nach Grabungsbefund
Am Nordende der Grabungsfläche konnten dann die ersten sicher bandkeramischen Befunde entdeckt werden. Angesicht der Lage der Fundgegenstände erscheint eine Deutung der Gruben als Gräber zwingend. In einer Grube befand sich in der Längsachse ein kleiner Kumpf neben einem Beil aus Nephrit (=Mischkristall der Minerale Tremolit und Aktinolith). In der anderen waren wohl vier Kümpfe aufrechtstehend deponiert. Die Länge der Gruben betrug lediglich 1 m, die Breite etwa 40 cm. Da sich Knochen in dem wasserstauenden pleistozänen Lehm nicht erhalten, bildet die Lage eventueller Beigaben den einzigen Anhaltspunkt für die Interpretation der Befunde.
Auswahl von Funden der Hallstattzeit (750 – 450 v. Chr.) und Latènezeit (40 – 0 v. Chr.
a) Messer (Hallstatt)
b) Fibel (Hallstatt)
c) Frühlatène Fibel
Es folgen eine ausgedehnte, sehr gut erhaltene linearbandkeramische Siedlung und ganz im Süden hallstatt- und latènezeitliche Siedlungsreste. Einige linearbandkeramische Bestattungen des ausgehenden 6. Jahrhunderts v. Chr. fanden sich im nördlichen Bereich. So gelang in der nördlichen Teilfläche 2004 im Baugebiet „Wiesenberg IV“ mit weiteren linearbandkeramischen Häusern erstmals der Nachweis einer Einhegung, die offenbar den nördlichsten Punkt der bandkeramischen Siedlung bezeichnet.
Bild: Humushaufen mit Planflächen
Text zum Bild: Frühmittelalterliches Grabenwerk im Planum 2 (1998)
Auf der südlich gelegenen Fläche, im Baugebiet „Wiesenberg III“, fehlen Hausgrundrisse bereits. Zahlreiche Schlitzgruben zeigen anscheinend den dortigen Siedlungsrand mit vorgelagertem Handwerksbereich an. Damit lässt sich durch die Untersuchungen die Ausdehnung der bandkeramischen Wittislinger Siedlung zumindest in zwei Himmelsrichtungen genauer erfassen.
Linearbandkeramischer Hausgrundriss als Dokumentationszeichnung mit Fundortübersicht.
Die Funktion der Schlitzgruben , die im vorliegenden Fall etwa 2-3 m lang und oft nur 0,3 – 0,5 m breit sind, ist noch nicht geklärt. Einige besaßen trotz ihrer geringen Breite eine Tiefe von 2 m unter der heutigen Geländeoberfläche. Berücksichtigt man die nicht unerhebliche Erosion in diesem Bereich, ergeben sich für diese Befunde recht respektable Dimensionen.
Als nach einjähriger Unterbrechung die Ausgrabung in Wittislingen fortgesetzt werden sollte, wurden vor allem Erkenntnisse zur Nordgrenze der ausschnittweise bekannten bandkeramischen Siedlung erwartet. Bereits zu Beginn der Untersuchung zeigte sich aber, dass sich die Siedlung nicht über jenen Weg nach Norden erstreckte, der die Südgrenze der Grabungsfläche bildet.
Stattdessen konnten jedoch einige Gebäude ergraben werden, die aufgrund des überwiegenden Fundmaterials in die Urnenfelderzeit zu datieren sind. Offensichtlich handelt es sich um zwei Gehöfte, wovon eines durch ein kleines Gräbchen umhegt war. Zur zeitlichen Abfolge der Gebäude können nach derzeitigem Bearbeitungsstand noch keine Aussagen getroffen werden. Auffällig ist die Größe eines der Häuser außerhalb der Umfriedung, das mit etwa 20 x 10 m die Dimensionen üblicher prähistorischer Gebäude sprengt.
Urnengrab im Planum, zu erkennen die offene Urne.
Die urnenfelderzeitliche Siedlungstätigkeit im Umfeld von Wittislingen
erscheint angesichts dieser Funde in einem neuen Licht.
Silex-Pfeilspitzen | Steinbeile |
Nachdem bisher nur eine Fundstelle der Urnenfelderzeit im Talbereich bekannt war, hat sich ihre Zahl durch Feldbegehungen und jetzt auch Ausgrabungen auf mindestens vier erhöht. Es fehlt bislang jedoch die Kenntnis eventueller Siedlungsverlagerungen und Funktionsunterschiede. Deutlich wird zumindest, dass Wittislingen in einzelnen vorgeschichtlichen Epochen eine herausragende Bedeutung besaß. Dies ist neben der Lage am Schnittpunkt wichtiger Verbindungen auch auf strategisch und klimatisch günstige Umstände zurückzuführen. Von der hier auslaufenden Albhochfläche lässt sich das Donautal weit überblicken. Zudem sind in der Gemarkung Wittislingen Unwetter und deren Schäden seltener, was wohl durch den Windschatten einiger kleinerer Erhebungen im Westen bedingt ist.
Neben urnenfelderzeitlichen Hausgrundstücken wurden auch einige spätbronzezeitliche Brandgräber entdeckt. Bemerkenswert ist hier die Vielfalt an Bestattungsgebräuchen. Auf der bislang ausgegrabenen Fläche gleicht kein Grab dem anderen. Der auffälligste Befund ist ein eingetiefter, West-Ost orientierter Scheiterhaufen mit direkt daneben befindlicher, tiefer gelegter Grabgrube, in der drei vollständige Gefäße und ein intentionell zerscherbtes Großgefäß rund um den ausgelesenen Leichenbrand deponiert waren. Die geschmolzenen Bronzebeigaben wurden im Scheiterhaufen belassen. Das nächstgelegene Grab enthielt eine Schale mit Leichenbrand, Holzkohle und Deckelschale. Wiederum benachbart befand sich ein Urnengrab mit Leichenbrand, auf dem die nicht dem Feuer ausgesetzten Bronzebeigaben lagen. Andere Gräber zeigten die Schüttung von ausgelesenem Leichenbrand ohne jede weiteren Beigaben oder die Deponie des Leichenbrandes mit Scheiterhaufenresten in einer pfostenlochartigen Grube. In einem Fall konnte eine Grabeinhegung festgestellt werden.
Während sich die spätbronzezeitlichen Befunde vor allem auf den Südteil des untersuchten Areals konzentrieren, wurden im Nordteil neben vereinzelten jungsteinzeitlichen Abfallgruben auch zwei Gräber aufgedeckt, die als Befestigungswerk gedeutet werden können. Sie verlaufen parallel etwa in der Falllinie des im Bereich der Grabungsfläche eher sanften Hanges. Der größere Graben besitzt bei einer Breite von 4 – 5 m noch eine Tiefe von gut 1 m unter der heutigen Oberfläche. Obgleich hier der Boden wasserstauend ist und in einzelnen Partien auch ein Pseudogley (=Stauwasserboden) beobachtet werden konnte, lässt sich eine primär wasserableitende Funktion dieser Gräben ausschließen. Das mögliche Speisegebiet ist zu klein, um ein derartiges Grabenwerk zu rechtfertigen. Das Fundmaterial aus den Gräben besteht aus Urnenfelder- bis spätkaiserzeitlicher Keramik. An einzelnen Stellen waren hochmittelalterliche Störungen nachzuweisen.
Die Reste eines Gebäudes, das mit einer Pfostenreihe exakt rechtwinklig zum Grabenwerk orientiert ist, könnten aufgrund des Grundrisses durchaus ins Frühmittelalter datiert werden. Aus einer benachbarten Grube wurden Silberblechreste und das Fragment eines kleinen bronzenen Schnallenbügels geborgen. Es ist zu hoffen, dass sich bei weiteren Ausgrabungen in diesem Bereich die Zeitstellung der Befunde klären lässt, die etwa 350 m nördlich des bekannten Fürstengrabes liegen. Die frühmittelalterliche Siedlungstopographie Wittislingens ist nach wie vor unbekannt. Aufgrund der Bedeutung des Ortes in dieser Zeit erscheint es dringend notwendig, die bisherigen spekulativen Überlegungen durch handfeste Grabungsergebnisse zu ersetzen.
Die bisherigen Untersuchungen der etwa 5 ha umfassenden Baugebiete „Wiesenberg I und II“, die an einem leicht nach Südosten abfallenden Ausläufer der Schwäbischen Alb oberhalb der Egau liegen, haben ein überaus komplexes Siedlungsbild verschiedener Zeiten erbracht. Im Norden markieren frühmittelalterliche Siedlungsreste und ein allgemein mittelalterliches Grabenwerk die jüngste bisher dokumentierte Siedlungstätigkeit. Südlich schließen sich ein spätbronzezeitliches Gräberfeld und eine urnenfelderzeitliche Siedlung an.
Für die Metallzeiten ist als herausragender Befund eine etwa 5 m breite, mindestens 30 m lange und bis zu 1,6 m tiefe Materialentnahmegrube ganz im Süden der Grabungsfläche zu erwähnen. Dass hierin Eisen abgebaut wurde, konnte durch einen teilweise erhaltenen Rennofen im Bereich dieser Grube eindrucksvoll bewiesen werden. Der Rennofen selbst war als kleine Seitenvertiefung in den Lehm eingelassen, die Wände waren verziegelt. Innerhalb der Anlage gelang der Nachweis einer noch mehrere Zentimeter mächtigen Schlackenschicht. In unmittelbarer Nähe konnten darüber hinaus die Reste eines weiteren bereits ausgeräumten Rennofens dokumentiert werden. Da die oberen Schichten der großen Abbaugrube an manchen Stellen aus umgelagertem Lehm mit nur wenig humosen Einschlüssen bestanden, gestaltete sich zunächst die Abgrenzung der Grube im Planum recht schwierig.
Anmerkung: Der Rennofen hatte die Form eines kleinen Schachtofens mit einer Höhe von etwa 50 bis 220 cm und wurde aus Lehm oder Steinen errichtet.
Fund eines eisenzeitlichen Rennfeuerofens
Der Abbauvorgang selbst lässt sich folgendermaßen rekonstruieren: Vermutlich am höchsten Punkt des Geländes wurde eine große Grube ausgehoben, die flächig bis zur Schicht der Eisenausfällungen reicht. Dieses Eisen, das aus der hier anstehenden obersten Schicht pleistozänen Lehms ausgewaschen wird, reichert sich an kalkigen Bändern an, die an der Trennlinie und damit der Erosionszone zur nächst älteren, ebenfalls pleistozänen Lehmschicht in einer Mächtigkeit bis zu 20 cm anstehen. An dem im Berichtszeitraum gegrabenen Bereich liegt dieses Band etwa 1,80 – 2 m unter der heutigen Oberfläche. Weiter nördlich, so konnte bereits 1998 festgestellt werden, liegt diese Trennschicht nahezu 1 m höher, weist aber nur sporadisch Eisenkies auf. War nun in einer Grube diese Eisenschicht ausgebeutet, wurde der nächste Abschnitt hangabwärts begonnen. Ganz offensichtlich wurde hierbei der Humus abgetragen und dann der Lehm paketweise umgelagert, da teilweise in der Verfüllung eine umgekehrte Stratigraphie zu beobachten war. Durch diese Vorgehensweise finden sich auch jüngere Keramikfunde in entsprechenden Tiefen. Soweit eine gesicherte Datierung möglich ist, gehört die Anlage in die ältere Hallstattzeit.
In geringer Entfernung kam ein weiterer bemerkenswerter Befund zutage. Reste einer Steinanlage und Spuren verschiedener Bronzeartefakte sowie von Leichenbrand weisen ihn als beraubtes Grab aus. Im Bereich der zum Teil verworfenen Steine wurde ein größerer Schlackenbrocken angetroffen, der einen Zusammenhang mit der Eisenverhüttungsanlage vermuten lässt. Die spärlichen Fundstücke datieren in die ältere Hallstattzeit. Neben Bronzeresten fand sich auch das Gehäuse einer Cypren-Art. Da diese Schnecken ostmediterraner oder indopazifischer Herkunft sind, muss die in diesem Grab bestattete Person Zugang zu Erzeugnissen aus dem Fernhandel gehabt haben.
Abschließend ist noch ein weiteres Grab vorzustellen. Die Orientierung mit Blick nach Osten, die geordnete Rückenlage mit den Händen im Schoß und die im unteren Bereich enge Grabgrube sprechen für frühmittelalterliche Zeitstellung. Der Bestattete ist offenbar als Opfer einer Gewalttat eines unnatürlichen Todes gestorben und mit der Tatwaffe im fünften Lendenwirbel steckend beerdigt worden. Das als Waffe benutzte ca. 20 cm lange Eisenstück scheint ein Werkzeug, beispielsweise eine Ahle, gewesen zu sein.
Skelett mit Tatwaffe (Grabung 2004) in einem frühmittelalterlichen Körpergrab
Fundkarte mit Gruben, Siedlungen(Hallstatt, Latène), Hausgrundrisse, Grubenhäuser, Urnenfelder.
Gesamtplan der Funde im Bereich „Wiesenberg“ mit Stand 14.04.2005
Der Markt Wittislingen stellt im Leben vieler Menschen einen starken und identitäts-stiftenden Bezugspunkt dar. Die Heimat verschafft den Menschen in unserer schnelllebigen und globalisierten Welt Halt und Zugehörigkeitsgefühl.
Der Heimatverein und der Gemeinderat stehen für die Bewahrung der heimatlichen Bräuche und Erforschung der eigenen Vergangenheit. Wer seine Heimat nicht liebt, ist nicht wirklich offen für Fremdes, Neues, Andersartiges.
„Heimat“ ist das elementare Bedürfnis eines Menschen nach Orientierung und dem Wissen um historisch gewachsene Besonderheiten des eigenen Ursprungs. „Heimat“ ist der Ort, den man vermisst, wenn man ihn verlässt“.
Im Baugebiet „Wiesenberg“ haben viele Bürger ihre neue Heimat gefunden. Um die Orientierung um die Besonderheiten der Geschichte zu finden, möchten Heimatverein und Gemeinde die unmittelbare Geschichte bewusst machen. Viele Grundstückseigentümer werden überrascht sein, auf welchem historischen Boden sie wohnen.
Mit persönlichen Informationen, Infotafeln und Handynachrichten soll es für alle interessant werden, für Jung und Alt, für die junge Generation und kommenden Generationen.
Dazu bittet der Heimatverein Wittislingen um Unterstützung durch Erwerb der Mitgliedschaft oder durch Spenden.
Folgender Rundgang ist geplant:



















